„Wir wollen Ideen sichtbar machen“

Prof. Dr. Wolf-Dieter Lukas ist Leiter der Abteilung Schlüsseltechnologien – Forschung für Innovationen im Bundesministerium für Bildung und Forschung. Er hat eine Honorarprofessur an der TU Berlin inne und wirkt in verschiedenen Beratungs- und Aufsichtsgremien mit.

Prof. Dr. Lukas im Interview

Jurymitglied Prof. Dr. Wolf-Dieter Lukas.

Prof. Dr. Wolf-Dieter Lukas

BMBF/Florian Willnauer

Sie vertreten das Bundesministerium für Bildung und Forschung in der Jury. Warum schreibt das BMBF gemeinsam mit der Deutschen Messe AG den CEBIT Innovation Award aus?

Ziel des Wettbewerbes ist es, die Vielfalt innovativer Ideen aus Deutschland sichtbar und bekannt zu machen. IT aus Deutschland hat immer noch nicht das Image, das ihrer Leistungsfähigkeit entspricht. Es wird zu schnell nach Vorbildern im Ausland geschielt, weil die hiesige Entwicklerszene nicht so viel Aufmerksamkeit erhält. Wir wollen dem Thema Digitale Innovation aus Deutschland eine größere Bedeutung und mehr Wahrnehmung geben. Deswegen ist es uns wichtig, praktische Lösungen zu zeigen. Dazu wollen wir die Ideen in einem größeren Rahmen öffentlichkeitswirksam präsentieren. Die CEBIT ist nicht nur die größte IT-Messe, sie ist der jährliche Fokus für digitale Innovationen. Wer dort ist, macht von sich reden. Wer dort als junges Unternehmen oder als Nachwuchsforscherin oder Nachwuchsforscher besteht, hat einen großen Vorsprung vor anderen.

Was ist Ihrer Meinung nach ein besonders gutes Beispiel für benutzerfreundliche IT-Innovationen aus Deutschland?

Es gibt eine Reihe von bemerkenswerten Ergebnissen aus der deutschen Forschungslandschaft.  Ich erinnere an den CEBIT Innovation Award Gewinner 2017, die Plantix App. Mit dieser App wird Künstliche Intelligenz zur Erkennung von Pflanzenschädlingen und gegen Ernteausfälle eingesetzt. Ein Bild mit dem Smartphone genügt. Nach dem Award hat das Start-up-Unternehmen erfolgreich Risikokapital eingeworben.

Welche Trends können Sie in den vergangenen Jahren im Rahmen Ihrer Arbeit für das Bundesministerium für Bildung und Forschung beobachten?

Wir vergessen manchmal, dass einheimische Spieleentwickler weltweit Erfolg haben. In der IT-Branche werden neue Designtrends häufig in der Medien- und der Computerspiele-Welt gesetzt. Obwohl die Oberflächen bei Tabellenkalkulation und Computerspielen nicht vergleichbar sind, würde ich mir mehr kreativen Austausch mit anderen Anwendungsbereichen der IT wünschen.

Wie fördert Ihr Ministerium – neben der Vergabe des CEBIT Innovation Awards – Entwicklung und Forschung in Bereich IT?

Mit der neuen Hightech-Strategie des Bundes haben wir einen guten Rahmen für die Förderung von Forschung und Entwicklung in der IT. Ausgehend von den prioritären Zukunftsaufgaben Digitalisierung, nachhaltiges Wirtschaften, Entwicklung der Arbeitswelt, Gesundheit, Mobilität und zivile Sicherheit unterstützt meine Abteilung im BMBF die Erforschung und Entwicklung der dafür notwendigen Technologien. Eine zentrale Rolle spielen dabei kleine und mittlere Unternehmen. Im Softwarebereich haben über 90 Prozent der Unternehmen weniger als zehn Mitarbeiter. Deswegen schütten wir in der Software-Förderung mehr Fördermittel an KMU aus als an Großunternehmen. Mit dem Software Sprint fördern wir auch die Entwicklung von Open Source Software durch Freiberufler. Die BMBF-Förderung ist deswegen auf die Struktur des Software-Ökosystems abgestimmt.

Welche Vorgehensweise empfehlen sie Nachwuchsforscherinnen und -forschern, die eine eigene Idee umsetzen möchten? Wo bekommen sie finanzielle oder ideelle Unterstützung für ihr Projekt?

Nachwuchsforschern empfehle ich, eine alltagstaugliche, praktische Nutzungsvision zu verfolgen. Diese Nutzungsvision sollte der Ausgangspunkt sein. Im nächsten Schritt müssen Ziele definiert werden, die in überschaubarer Zeit und mit überschaubaren Ressourcen erreicht werden können. Manchmal wird es notwendig sein, Umwege zu gehen. Aber nur auf das technisch Machbare zu setzen, ist zu wenig.

Welchen Stellenwert hat der CEBIT Innovation Award für das BMBF?

Der CEBIT Innovation Award besetzt in meinem Verständnis eine Nische, die wir durch keine andere Fördermaßnahme erreichen können. Wir richten damit ganz bewusst das Augenmerk auf innovative digitale Lösungen, die es wert sind, am Markt eine Chance zu erhalten. Wir wissen, dass sich leider nicht immer die beste Lösung durchsetzt. Und wir hoffen, mit unserem kleinen Beitrag genau das Quäntchen Aufmerksamkeit auf beste Lösungen lenken zu können.