shoutr im Interview

Entwickelt wurde shoutr von den drei Diplom-Informatikern Sebastian Winkler, Christian Beier und Benjamin Werner. Wir fragten sie, wie sie auf ihre Idee gekommen sind und welche Ziele sie mit shoutr haben.

Das Bild zeigt Smartphones, auf denen die App shoutr genutzt werden kann.
Durch Smartphones digitale Inhalte mit Freunden teilen.

shoutr bietet eine nutzerfreundliche App zur Verbreitung digitaler Inhalte. Was gab Ihnen den Anstoß zur Entwicklung dieser Idee?

Es gab schlichtweg keine einfache Lösung, um überall Daten unkompliziert von einem mobilen Gerät an ein anderes zu senden. Da dachten wir uns, dass das jemand entwickeln müsste. Die Vorteile liegen auf der Hand: Solch eine Technik ist überall einsetzbar, auch wenn keinerlei Netzwerkinfrastruktur vor Ort ist. Überhaupt wird direkte Gerät-zu-Gerät-Kommunikation in Zukunft immer wichtiger werden: Es macht schließlich wenig Sinn, wenn Geräte, die sich in unmittelbarer Nähe zueinander befinden, ihre Daten zuerst auf einen Server in Amerika hochladen, damit sich das Empfangsgerät die Daten von dort wieder herunterlädt. Dass bei der direkten Gerät-zu-Gerät-Kommunikation natürlich auch die Geschwindigkeit höher ist, ist ein willkommener Nebeneffekt.

Auf der CEBIT 2014 können Sie im Rahmen der Verleihung des CEBIT Innovation Awards ihr Projekt einem internationalen Publikum vorstellen. Was sind Ihre Ziele für shoutr?

Wir wollen die internationale Bühne der CEBIT dafür nutzen, shoutr noch bekannter zu machen, denn wie jede Kommunikationslösung lebt auch shoutr von einer hohen Verbreitung. Mit einer Präsentation auf der CEBIT erreichen wir ein deutschsprachiges, vor allem aber auch ein internationales Publikum.

Gerade weil shoutr ein Tool ist, das keinerlei Infrastruktur benötigt, sehen wir großes Potential in Ländern mit weniger stark ausgebautem mobilen Internetzugang. Schließlich wollen wir die CEBIT natürlich auch dafür nutzen, mit existierenden und zukünftigen shoutr-Usern ins Gespräch zu kommen und Schlüsse für die weitere Entwicklungsrichtung zu ziehen.

shoutr benötigt keine zusätzlichen Server oder Clouds. Meinen Sie, dass solche unabhängigen Systeme wie shoutr in Zukunft stärker genutzt werden, weil die Nutzer bei anderen Systemen die Sicherheit ihrer Daten nicht überblicken können?

Ja, auf jeden Fall! Gerade im Hinblick auf die NSA-Enthüllungen im vergangenen Jahr glauben wir, dass bei den Usern ein erhöhtes Bedürfnis nach Vertraulichkeit und Sicherheit ihrer Kommunikation besteht. Und anstatt diese über Server in der Cloud (d. h. den USA) abzuwickeln, ist der direkte Weg immer noch der inhärent sicherste. Bei shoutr ist diese direkte Gerät-zu-Gerät-Kommunikation immer verschlüsselt, die User haben die komplette Kontrolle darüber, was sie verschicken und welchen Weg diese Daten gehen. Wir denken, dass einer solchen sicheren grassroots-Kommunikation unabhängiger User eine große Zukunft bevorsteht.

Ein Jahr nach dem Finale

Knapp ein Jahr nach ihrem Erfolg beim CEBIT Innovation Award haben wir bei Christian Beier, Benjamin Werner und Sebastian Winkler nachgefragt, wie sich ihre App shoutr in den vergangenen Monaten entwickelt hat und welche Tipps sie zukünftigen Teilnehmer-Teams des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Deutschen Messe AG veranstalteten Wettbewerbs mit auf den Weg geben können.

Die Zeit, die seit Ihrem Gewinn des CEBIT Innovation Award vergangen ist, ist in der „digitalen Zeitrechnung“ eine halbe Ewigkeit. Wie rasant haben sich shoutr und Ihr Start-up seitdem weiterentwickelt?

Da hat sich in der Tat eine Menge getan! Gleich auf der CEBIT haben wir einige interessante Kontakte geknüpft, mit dem Resultat, dass sich shoutr labs komplett neue Geschäftsfelder eröffnet haben. Zusätzlich zur shoutr-App bieten wir nun auch ein komplettes smart-building System an, dass auf der shoutr-Technologie basiert:

Mit dem shoutr.Boxx System können sich beispielsweise Besucher eines Museums am Eingang eine kleine App herunterladen, die ihnen später in der Ausstellung, je nach Position, völlig automatisch die richtigen Inhalte zu den Exponaten anzeigt, ohne dass Nummern eingetippt oder QR-Codes gescannt werden müssen. Die dafür nötige Indoor-Lokalisierung leistet unsere shoutr-Technologie im Zusammenspiel mit Bluetooth Low Energy Beacons.

Fragen zu Datensicherheit und -missbrauch stehen nach wie vor weit oben auf der technologiepolitischen Agenda. Inwieweit kann shoutr die Sicherheitslücken im Datenverkehr schließen und von den aktuellen Diskussionen profitieren?

Die shoutr-App ist nach wie vor ein äußerst sicherer Weg, vertrauliche Daten zu tauschen. Der Grund ist einfach: Alles, was mit shoutr gesendet wird, geht niemals über die Cloud, sondern wird direkt zwischen den beteiligten Geräten ausgetauscht. Die Übertragung läuft dabei immer Ende-zu-Ende-verschlüsselt.

Das ist erst einmal schön und gut, der wichtige Punkt ist aber, dass die Datenströme noch dazu etwaigen Analysen in der Cloud verborgen bleiben, eben weil sie lediglich lokal verlaufen. Es wäre sicherlich schön, wenn die shoutr-App in dieser Hinsicht noch ein wenig mehr Publicity bekäme. Vielleicht präsentieren wir das Ganze auch einmal auf dem Chaos Communication Congress.

Welches ist das wichtigste Erfolgsgeheimnis Ihrer Arbeit, an dem sich womöglich auch die Gewinner der CEBIT Innovation Awards 2015 ein Stück weit orientieren können?

Um es mal so zu sagen: Der Schlüssel zum Erfolg ist niemals nur ein einzelner Aspekt der Arbeit, sondern immer eine – die richtige – Kombination verschiedenster Faktoren. Fundamental ist ein eingespieltes Teamwork, dass regelmäßige Feedback-Loops mit den richtigen Tools integriert. Dann muss Mensch natürlich immer ein offenes Ohr für die Entwicklungen haben, die Technik nimmt und vor allem nehmen könnte. Das ist vielleicht das Wichtigste: Entwicklungen antizipieren zu können und so auf dem Markt eine Vorreiterrolle einnehmen zu können!