Next Generation Fashion Store – Interview

Im Gespräch erzählt Christian Zagel, was ihn zur Erfindung des Next Generation Fashion Stores inspiriert hat und gibt Tipps für Nachfolgerinnen und Nachfolger.

Der Bodyscanner zeigt die richtigen Maße an und bestimmt die Konfektionsgröße.
Mit dem Bodyscanner kann die richtige Größe ermittelt werden.

Herr Zagel, wie ist Ihnen die Idee zu Ihrer Entwicklung gekommen? War es ein plötzlicher Einfall, etwas, das Ihnen im Alltag aufgefallen ist, oder ein logischer Schritt Ihrer Arbeit in diesem Bereich?

Die Ideen zu den Innovationen kamen spontan. Wenn man sich, wie in unserem Fall, von Technologien begeistern lässt und viel experimentiert, dann sucht man automatisch nach Einsatzmöglichkeiten mit größtmöglichem Potenzial. Die konkrete Ausgestaltung beider Konzepte ist jedoch sehr eng mit unserer Forschung an der Universität verbunden. Gerade bei konsumentenorientierten Innovationen ist heute nicht mehr nur das „Was“, sondern vor allem das „Wie“ entscheidend.

Wie geht es nach Ihrem Gewinn weiter? Arbeiten Sie bereits an der Vermarktung Ihres Produkts oder haben Sie schon ganz neue Ideen?

 Unser langjähriger Kooperationspartner, die adidas Gruppe, hat bereits großes Interesse signalisiert die Konzepte weiter zu entwickeln. Da der Einzelhandel in der Bekleidungsindustrie erhebliches Innovationpotenzial bietet, feilen wir an weiteren Konzepten, um den „Next Generation Fashion Store“ Realität werden zu lassen. Die Einbindung unserer wissenschaftlichen Erkenntnisse steht dabei immer im Fokus, um den Kunden ein optimales Einkaufserlebnis zu bieten.

Sie sind Teil der ersten Generation von Gewinnern des CEBIT Innovation Awards. Haben Sie einen Tipp für potentielle Teilnehmer und Teilnehmerinnen des CEBIT Innovation Award 2014?

Zunächst sollte man selbst absolut von seiner Idee überzeugt sein. Wenn man es schafft, diese auf Basis der Ausschreibungsanforderungen plausibel und klar zu beschreiben, dann hat man schon einmal gute Karten. Und wer weiß... Vielleicht sind wir auch wieder mit dabei?

Ein Jahr nach dem Finale

Seit dem Gewinn des CEBIT Innovation Award 2013 konnte Christian Zagel weiter an seiner Innovation arbeiten. Im Interview erklärt er, was seine nächsten Schritte sind, was er von der CEBIT mitgenommen hat und wohin die Reise im Bereich Usability in Deutschland hingehen könnte.

Herr Zagel, was ist seit Ihrem Gewinn des CEBIT Innovation Award 2013 passiert? Arbeiten Sie weiter an „Next Generation Fashion Store”? Oder gibt es vielleicht neue Ideen?

Unser Konzept hat mittlerweile noch weitere Preise gewonnen, auf die wir sehr stolz sind. Ein Bodyscanner und eine interaktiven Umkleidekabine bilden aber noch keinen kompletten Laden. Daher haben wir uns zum Ziel gesetzt, den „Next Generation Fashion Store“ hin zu einem holistischen Kundenerlebnis zu entwickeln. Daher arbeiten wir auf der einen Seite natürlich weiterhin daran unsere beiden Systeme zur Marktreife zu treiben. Daneben entwickeln und forschen wir aber auch schon an weiteren Konzepten für den Laden der Zukunft,  der die Kunden begeistern wird.

Die neuen Preisträger 2014 stehen fest: Ihr Tipp an Ihre Nachfolger? Welche Chance sollten sie unbedingt nutzen?

Wir haben nach der Preisverleihung eine Vielzahl von Presseanfragen aus der ganzen Welt erhalten. Die Resonanz auf unser Projekt bzw. die beiden Prototypen war überwältigend und hält bis heute an. Auch eine Vielzahl von Forschungsinstituten und Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen zeigen reges Interesse. Ich kann den diesjährigen Preisträgern empfehlen diese Chancen sorgfältig zu sondieren und potenzialträchtige Kontakte auf jeden Fall für eine Weiterentwicklung zu nutzen.

Wo sehen Sie heute in Deutschland das größte Potenzial für Usability – und wo besteht Nachholbedarf?

Das Thema Usability steht zwar bei einer Vielzahl von Unternehmen schon seit einigen Jahren auf der Agenda. Das eigentliche Potenzial ist jedoch noch lange nicht ausgereizt. Das Usability-Design beschäftigt sich heute in den meisten Fällen noch damit, Systeme für die breite Masse attraktiv zu machen. Besonders interessant wird es jedoch dann, wenn sich in Zukunft Systeme selbstständig an die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Anwenders anpassen. Großer Nachholbedarf besteht aber auch im Rahmen der unternehmensinternen Usability. Insbesondere wenn Firmen auch für den jungen und begabten Nachwuchs attraktiv sein wollen sind einfach zu bedienende Systeme ein absolutes Muss.