Kinematics im Interview

Kinematics wurde vom Diplom-Designer Leonhard Oschütz erfunden. Zum Team gehören Christian Guder (Diplom-Designer, Industriemechaniker), und Dr. Matthias Bürger (Diplom-Kaufmann, Promotion in Ökonomie). Wir fragten sie, wie sie auf ihre Idee gekommen sind und welche Ziele sie mit Kinematics haben.

Roboter, der mit dem Robotik-Kit gebaut wurde.
Mit dem Baukastensystem können sich Kinder einen eigenen Roboter bauen.

Kinematics bietet ein intuitives Robotik-Bausystem für Kinder und Jugendliche. Was gab Ihnen den Anstoß zur Entwicklung dieser Idee?

Die Idee entstand an der Bauhaus-Universität Weimar. Die Aufgabe bestand damals in der Konzeptionierung einer Wunschmaschine, also einer Maschine, die man selbst gern hätte. Als passionierter Lego-Spieler kam Leonhard Oschütz dabei auf die Idee, einen Baukasten zu entwickeln, dessen Bausteine sich bewegen können und dazu leicht zu steuern sind.

Auf der CEBIT 2014 können Sie im Rahmen der Verleihung des CEBIT Innovation Awards ihr Projekt einem internationalen Publikum vorstellen. Was sind Ihre Ziele für Kinematics?

Wir arbeiten derzeit mit voller Kraft an der Weiterentwicklung der Prototypen hin zu einem serienreifen Produkt. Für März 2014 planen wir zudem eine Crowdfunding-Kampagne, um möglichst vielen Menschen unsere Idee vom spielerischen Umgang mit Robotern nahezubringen. Genau hierfür bietet die CEBIT natürlich die ideale Plattform.

Wohin geht Ihrer Meinung nach die Entwicklung im Bereich der Robotik für Laien hin? Werden wir uns in Zukunft zu Hause einfach den Roboter bauen, den wir brauchen?

Der Trend geht sicherlich in Richtung Modularität und Einfachheit. Niemand möchte ellenlange Bedienungsanleitungen wälzen. Insgesamt befindet sich die Robotik in einer ähnlichen Phase wie die Computerbranche in den 1970er Jahren. Die Geräte werden kleiner, günstiger sowie leistungsfähiger und es zeichnet sich ab, dass sie in den Haushalten Einzug halten werden. Wie das dann genau aussehen wird, kann man jedoch heute nur schwer abschätzen.

Ein Jahr nach dem Finale

Auch nach dem Gewinn des CEBIT Innovation Award 2014 haben Leonhard Oschütz, Christian Guder und Dr. Matthias Bürger vielfältige positive Rückmeldungen zu ihrerm Robotik-Baukasten „Tinkerbots" erhalten. Im Interview berichten sie zudem von einer Crowdfounding-Kampagne zur weiteren Verbreitung ihrer Produkte.

Welche Reaktionen erhielten Sie von den neuen Interessenten, die Sie im vergangenen Jahr dazugewonnen haben? Was fasziniert sie an dem Robotik-Baukasten Tinkerbots?

Die Reaktionen waren bzw. sind noch immer sehr überschwänglich und die meisten können den Serienstart kaum erwarten. Neben vielen privaten Interessenten haben sich auch einige potenzielle Vertriebspartner aus unterschiedlichen Ländern gemeldet. Aber im nächsten Jahr werden wir uns zunächst auf den Launch in unserem Online-Shop konzentrieren, bevor wir den Schritt in den stationären Handel wagen. Was die meisten Menschen fasziniert, ist sicherlich die Einfachheit des Konzepts zusammen mit den schier unendlichen Möglichkeiten. Eigene Roboter ohne Kabel und ohne komplizierte Bauanleitung zu bauen, war bisher so noch nicht möglich. Auch die Möglichkeit Bewegungen aufzunehmen, also per Hand vorzugeben und dann wieder abzuspielen, hat viele Menschen begeistert. Die App zur Fernsteuerung via Smartphone oder Tablet war da fast schon Voraussetzung.

Inwieweit sind Sie Ihrem Ziel, das Produkt zur Serienreife zu bringen, näher gekommen?

Wir arbeiten derzeit noch unter Hochdruck an der Umsetzung, sind aber auf einem guten Weg. Ein neues Hardwareprodukt auf den Markt zu bringen, in dem auch noch jede Menge Software steckt, gehört sicherlich zu den etwas anspruchsvolleren Herausforderungen. Dabei versperren einem immer wieder unvorhergesehene Hindernisse den Weg. Alles, was man tut, ist Neuland und keiner kann einem so richtig weiterhelfen. Man ist da wirklich Pionier. Die meisten Hürden haben wir aber bereits erfolgreich genommen und sind daher zuversichtlich, bis Mitte 2015 die ersten Baukästen über unseren Online-Shop vertreiben zu können.

Was hat Sie in dem Jahr nach der Auszeichnung besonders überrascht und was können die neuen Preisträger von Ihren Erfahrungen lernen?

Nach der CEBIT haben wir eine Crowdfunding-Kampagne gestartet und dabei über Indiegogo Vorbestellungen im Wert von rund 300.000 USD für mehr als 800 Baukästen eingesammelt. Auf der CEBIT haben wir die Kampagne bereits angekündigt; dass diese dann aber so erfolgreich verlief, hat uns schon überrascht. Für uns war die Auszeichnung ein super Sprungbrett um schnell viel Aufmerksamkeit zu generieren – was so kurz vor der Kampagne extrem wichtig war. Wir haben alle Journalistinnen und Journalisten, die wir auf der CEBIT getroffen haben, darauf hingewiesen. Einige haben dann sofort darüber berichtet, andere haben uns zum Start der Kampagne erneut kontaktiert. Außerdem haben wir auf der CEBIT Flyer an alle Interessierten verteilt, so dass jeder der wollte, rechtzeitig bei Indiegogo vorbestellen konnte. Nicht zuletzt haben wir auf der CEBIT natürlich auch jede Menge interessante Leute kennengelernt. Daniel beispielsweise, der damals noch Abiturient war, hat uns auf der CEBIT besucht und dann im Sommer ein Praktikum bei uns absolviert. Wer weiß, vielleicht fängt er irgendwann einmal fest bei uns an.