Interview mit dem Entwickler von digisign

Entwickelt wurde digisign durch Markus Weber von der Firma digipen, einer Ausgründung des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz. Wir sprachen mit ihm über den Entwicklungsprozess und die zukünftige Relevanz fälschungssicherer Unterschriften im digitalen Geschäftsverkehr.

Ein digitaler Stift ermöglicht die Übertragung von Überschriften an ein mobiles Endgerät.
Der digitale Stift erfasst die Unterschriftendynamik.

Wie kam es zu der Erfindung der fälschungssicheren biometrischen Unterschrift?

Unterschriebene Verträge wurden früher mit einer Postlogistik von der Geschäftsstelle zur Hauptgeschäftsstelle transportiert. Bei diesem Prozess wurden sie mehrfach in die Hand genommen, sortiert, irgendwann manuell eingescannt und somit elektronisch bei der Kreissparkasse hinterlegt. Diesen Prozess wollte die Kreissparkasse Kaiserslautern mit Hilfe eines digitalen Stifts vereinfachen.

Am DFKI wurde diese Lösung konzipiert und zu einem innovativen, lauffähigen System geführt. Zusammen mit Dr. Marcus Eichenberger-Liwicki, dem Projektleiter, und mir hat Prof. Dengel dann die Ausgründung digipen technologies GmbH initiiert.  Die digipen technologies soll die Einführung von digisign in den Sparkassen-Markt begleiten.

Was wollen Sie mit der biometrischen Unterschrift erreichen?

Die Unterschrift mit einem Stift auf Papier ist ein kulturell akzeptierter Prozess und wird als natürlich empfunden. Die biometrische Unterschrift soll helfen, Technologien, wie die fortgeschrittene elektronische Signatur, einfacher zugänglich zu machen. Weit verbreitete Akzeptanzprobleme bei der Einführung neuer IT-Prozesse/-Systeme entfallen durch die Natürlichkeit des digisign Systems. Das Feedback der Kunden der Kreissparkasse ist durchweg positiv.

Neben der einfachen Nutzbarkeit des Verfahrens ist ein weiterer Mehrwert die zusätzliche Sicherheit. Wo es vorher im Streitfall lediglich ein Abbild der Unterschrift für eine forensische Prüfung gab, liegen jetzt zusätzlich biometrische Informationen vor. Hierzu zählen Beschleunigungsverhalten, zeitlicher Aufbau des Schriftzuges sowie ein Profil des Druckes, welches der Schreiber während der Unterschrift auf den Stift ausübt – alles sehr individual-charakteristische Merkmale. Die Merkmalsausprägungen können sogar für eine zuverlässige automatische Unterschriftenverifikation eingesetzt werden.

Alle biometrischen Identifikationsdimensionen werden ausschließlich dem unterschriebenen Vertrag zugeordnet und dort verschlüsselt eingebettet. Hierbei haben wir uns an aktuelle Sicherheitsstandards gehalten und ein asymmetrisches Kryptographie-Verfahren genutzt. Ohne die Kenntnis eines Geheimnisses und einem Private Key lassen sich diese Daten nicht entschlüsseln. Alle vertraulichen Biometriedaten werden bei einer so genannten Trusted Authority hinterlegt. Im Falle der Sparkasse ist dies ein Notar oder unabhängiger Anwalt.

Zusammenfassend kann man sagen, dass wir ein System zur Verbesserung von Prozessen entwickelt haben, die an die Papierform gebunden sind. Es zeichnet sich durch seine Natürlichkeit in der Benutzbarkeit, Schnelligkeit und Sicherheit aus.

Wer kann von dieser Innovation profitieren?

Die Technologie bringt einen erheblichen Mehrwert für all diejenigen Einsatzfelder, wo Prozesse auf eine Genehmigung durch eine papiergebundene Unterschrift warten. Das System ist mittlerweile auch für Tablets verfügbar, für Fälle, bei denen keine Papierform gesetzlich vorgeschrieben ist. Entsprechend können alle Genehmigungsprozesse mit digisign verschlankt und damit signifikant beschleunigt werden. Wenn man überlegt, wie oft man seine Unterschrift auf Papier setzt, dann hat man ungefähr eine Vorstellung davon, wie viele dieser Prozesse ein potentieller Anwendungsfall von digisign sind.