Interview mit dem ActiWait-Gründungsteam

Hier berichten Amelie Künzler und Sandro Engel von der Urban Invention GbR in Hildesheim, wie sie auf die Idee gekommen sind und welche Erwartungen mit der Award-Teilnahme verbunden sind.

ActiWait wird an Fußgängerampeln eingesetzt und ermöglicht den Wartenden eine aktive Rotphase.
Unterhaltung an roter Ampel: ActiWait gibt Wartenden Beschäftigung.

Welche Erfahrungen im Straßenverkehr haben Sie dazu animiert, die „aktive Wartephase" bzw. Ihr Produkt ActiWait ins Leben zu rufen?

Damals, auf dem Weg in die Hochschule, musste man immer sehr lange an den Fußgänger-Ampeln warten, da hatte man Zeit zu beobachten. Uns hat an dieser Situation schon immer gestört, dass man so isoliert ist, obwohl man dort häufig mit anderen Menschen steht. Es fehlt hier die Kommunikation. Die Situation ist unangenehm und langweilig, sodass der ein oder andere auch bei Rot geht und sich in Gefahr bringt. Genau hier wollen wir mit dem ActiWait als interaktive Plattform gegensteuern, nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern mit Spaß, Information und Unterhaltung.

Was sind die wichtigsten Ziele, die Ihrer Meinung nach mit entsprechend ausgerüsteten Fußgängerüberwegen erreicht werden könnten?

Laut UN-Studien werden im Jahre 2050 zwei Drittel der Menschen in Städten leben. Der urbane Raum muss da nicht nur infrastrukturell funktionieren, er muss auch soziale Aufgaben übernehmen. Das Ziel ist es einerseits, Städte smarter zu machen, sie zu vernetzten und Menschen durch unterhaltende Applikationen davon abzuhalten, bei Rot über die Straße zu gehen. Auf der anderen Seite wird so ein Erlebnis geschaffen, das Menschen zusammenbringt und sie näher an ihre Stadt rücken lässt.

Was erhoffen Sie sich von Ihrer erfolgreichen Teilnahme am CEBIT Innovation Award 2016?

Eine solche Auszeichnung unterstützt die Glaubwürdigkeit unseres Produkts. Oft wird die Idee als lustiger Scherz belächelt und erst bei genauerem Hinsehen erschließt sich der hohe Mehrwert. Wir hoffen somit, ein besseres Standing in der Wirtschaft sowie wichtige Mittel und Partner gewinnen zu können, die uns beim Aufbau unseres Unternehmens unterstützen. Auf solch einer Fachmesse trifft sich IT-Knowhow auf höchstem Niveau, gerade im Bereich IoT (Internet of things, Anm. d. Red.), connected cities und Car2X- Kommunikation.   

Ein Jahr nach dem Finale

ActiWait ist ein Aufsatz für Ampeltaster, der nicht nur die Verkehrssicherheit für Fußgängerinnen und Fußgänger erhöht, sondern auch als WLAN-Hot-Spot genutzt werden kann und so die Interaktion mit Menschen auf der gegenüberliegenden Straßenseite ermöglicht. Ein Jahr nach dem Finale des CEBIT Innovation Award 2016 berichten Amelie Künzler und Sandro Engel, wie sich ihre Anwendung nach dem Erfolg beim CEBIT Innovation Award entwickelt hat.

Wie ging es weiter mit ActiWait nach Ihrem Erfolg beim CEBIT Innovation Award 2016?

Wir haben eine GmbH gegründet und konnten die Entwicklung des Tasters entscheidend voran bringen. Wir werden den Taster im Laufe des Jahres an erste Pilot-Städte ausliefern.

Können Sie sagen, inwieweit sich an Ampeln, an denen ActiWait installiert ist, die Verkehrssicherheit erhöht hat?

Unsere Zahlen haben sich bestätigt: 85 Prozent weniger Menschen überqueren bei Rot die Straße! Und es gab keinen einzigen Fall von Vandalismus.

Inwiefern unterstützt Sie die Auszeichnung bei Ihrem Vorhaben, mit einem spielerischen Ansatz kreative Wege zu finden, das Lebensgefühl in Städten positiv zu verändern?

Unser Vorhaben wurde generell ernster genommen und wir konnten auf der CEBIT viele spannende Kontakte sammeln. Ebenso ermöglichte uns das Preisgeld die Ausgründung in eine GmbH, sodass sich unsere Stellung auf dem Markt deutlich verbessert hat.