DaaS im Interview

Alexander Löffler erzählt uns, wie er auf seine Idee gekommen ist, wie es mit seiner Entwicklung weitergeht und was er zukünftigen Teilnehmern des CEBIT Innovation Awards rät.

Bilder von mehreren Bildschirmen können durch DaaS auf nur einem gesammelt werden.
Mit DaaS können mehrere Bildschirme auf einem Display gebündelt werden.

Herr Löffler, wie ist Ihnen die Idee zu Ihrer Entwicklung gekommen? War es ein plötzlicher Einfall, etwas, das Ihnen im Alltag aufgefallen ist, oder ein logischer Schritt Ihrer Arbeit in diesem Bereich?

Die initiale Idee zu unserem Projekt „Display as a Service” (DaaS) kam uns bei einer alltäglichen Situation im Besprechungsraum: Die dort installierte Kombination aus Projektor und Videokabel wollte einmal mehr partout nicht mit den Laptop eines Präsentierenden funktionieren. Wir dachten uns, das muss doch auch einfacher möglich sein. Verfestigt hat sich die Idee, das Netzwerk als Übertragungsmedium für Bildsignale zu nutzen, dann beim Aufbau des DFKI-Visualisierungszentrums, in dem eine Vielzahl von Displays, Displaywänden und Projektoren gleichzeitig und flexibel von genauso vielen heterogenen Quellen angesteuert werden sollen. Damit war DaaS geboren und vereinfacht seitdem die Art und Weise, wie wir mit unseren vielen Bildschirmen arbeiten.

Wie geht es nach Ihrem Gewinn weiter? Arbeiten Sie bereits an der Vermarktung Ihres Produkts oder haben Sie schon ganz neue Ideen?

DaaS wird als Technologie weiterhin aktiv in Forschungs- und Entwicklungsprojekten des DFKI und des Intel Visual Computing Instituts eingesetzt. Insbesondere im industriellen Kontext bei Unternehmen mit hohem Visualisierungsbedarf stößt das Konzept auf offene Ohren, weil die Einsparungspotentiale bei gleichzeitiger Erweiterung der Flexibilität sofort einleuchten. Darüberhinaus arbeiten wir bereits mit einer Vielzahl an Partnern zusammen, um die patentierte Technologie auch potentiell aus dem Forschungsumfeld zu heben und in einen Produktstatus zu überführen.

Aber auch die Forschungsthemen gehen uns in nächster Zeit sicher nicht aus: Die durch DaaS gegebene Verfügbarkeit von Pixeln überall im Netzwerk und die Möglichkeit, diese frei über beliebige Anzeigegeräte hinweg anzeigen zu können, erfordern ganz neue Interaktionsparadigmen. Benutzer können nicht nur entscheiden, wie sie mit einer Anwendung interagieren, sondern auch noch mit welcher im Netzwerk verfügbaren Anwendung sie dies gerade tun wollen und zusätzlich, wo sie welche Anwendung darstellen möchten. All dies eröffnet neue, spannende Forschungsfragen.

Sie sind Teil der ersten Generation von Gewinnern des CEBIT Innovation Awards. Haben Sie einen Tipp für potentielle Teilnehmer und Teilnehmerinnen des CEBIT Innovation Awards 2014?

Der unmittelbarste Tipp, den ich einem potentiellen Teilnehmer geben würde lautet: Nehmt teil! Auch wir hätten sicher nicht damit gerechnet, einen solchen prestigeträchtigen Preis für unsere Technologie zu erhalten, auch wenn wir sicherlich stets von deren Nützlichkeit und Innovativität überzeugt waren. Der gesamte Bewerbungsprozess rund um den CEBIT Innovation Award lief sehr fair und transparent ab. Insbesondere im Auswahlsymposium verstand es die fachkundige und hochkarätig besetzte Jury, uns wertvolle Tipps und Anwendungsszenarien für die Technologie aufzuzeigen, die uns selbst ohne Preisgewinn sehr nützlich gewesen wären. Insofern gibt es meiner Meinung nach bei einer Teilnahme überhaupt nichts zu verlieren, nur sehr viel zu gewinnen.

Ein Jahr nach dem Finale

Seit dem Gewinn des CEBIT Innovation Awards 2013 konnte Alexander Löffler weiter an seiner Innovation arbeiten. Im Interview erklärt er, wo DaaS noch besser geworden ist, was er von der CEBIT mitgenommen hat und wohin die Reise im Bereich Usability in Deutschland hingehen könnte.

Herr Löffler, was ist seit Ihrem Gewinn des CEBIT Innovation Awards 2013 passiert? Arbeiten Sie weiter an DaaS? Oder gibt es vielleicht neue Ideen?

Seit dem Gewinn des CEBIT Innovation Awards 2013 war das Interesse an unserer Technologie „Display as a Service (DaaS)" ungebrochen. Namhafte internationale Industriepartner aus mehreren Fachbereichen haben großes Interesse an DaaS angemeldet und evaluieren nun mit uns in gemeinsamen Forschungsprojekten, ob und wie DaaS-basierte Produkte entstehen können. Leider dürfen wir aus Geheimhaltungsgründen kaum Namen unserer Partner nennen; Intel – unser Sponsor der ersten Stunde – gehört aber auf jeden Fall dazu.

DaaS wird hierzu kontinuierlich weiterentwickelt, ist zwischenzeitlich schneller, stabiler und (noch) flexibler geworden, und wird den Forschungspartnern als Plattform für die selbstständige Entwicklung von DaaS-Applikationen zur Verfügung gestellt. Dabei werden auch neue Forschungsthemen rund um die Grundlagentechnologie immer interessanter; so spielen nun Fragen um Benutzerschnittstellen zwischen vielen DaaS-Anwendungen oder die Einbindung der Vielzahl von Sensoren in heutigen Mobilgeräten zur Steuerung und Kalibrierung von großen DaaS-Displaywänden eine zunehmend große Rolle.

Im großen europäischen Forschungsrahmenprogramm „Future Internet", ist DaaS ein „Generic Enabler” auf dem Weg, die kommenden Technologiestandards des Internets der Zukunft zu definieren. Ebenfalls im europäischen Kontext sind im Sommer 2013 zwei europäische Patentanträge um DaaS veröffentlicht worden. Aber auch im lokalen Umfeld wird DaaS genutzt und geschätzt: So wurde im Weltkulturerbe Völklinger Hütte gerade ein DaaS-basiertes Exponat im Rahmen der Ausstellung „Generation Pop" eröffnet. DaaS bildet dabei das Ende einer Reise durch die Epochen der Popkultur und einen Ausblick auf kommende Technologien. Generaldirektor Prof. Dr. Meinrad Maria bezeichnete das installierte DaaS-Exponat als „die Mona Lisa der Zukunft". Wir versuchen natürlich, diesem möglichst gerecht zu werden.

Die neuen Preisträger 2014 stehen fest: Ihr Tipp an Ihre Nachfolger? Welche Chance sollten sie unbedingt nutzen?

Basierend auf meiner Erfahrung sollten die Preisträger primär die hervorragende Plattform des CEBIT-Auftritts nutzen, um sich und Ihre Ideen vor Ort zu präsentieren. Ich selbst hatte in dieser einen Woche in Hannover bereits mit 90% der Unternehmen Kontakt, mit denen wir heute intensiv zusammenarbeiten um DaaS weiter voran zu bringen. So anstrengend diese eine CEBIT-Woche auch zugegebenermaßen war, hat sich diese Investition in vielerlei Hinsicht gelohnt.

Wo sehen Sie heute in Deutschland das größte Potenzial für Usability – und wo besteht Nachholbedarf?

Aus dem Kontext meines eigenen Projekts weiß ich dass weiterhin eine enorme Verteilung und Vernetzung von Geräten und Applikationen auf uns zu kommen wird und dass die Usability solcher Systeme stark in den Vordergrund rücken wird – so natürlich auch in Deutschland. Unsere eigenen spannenden Forschungsfragen fangen hier gerade erst an aufzutauchen, und ich glaube dass sich die Art und Weise wo und wie wir mit Geräten und unserer Umgebung interagieren werden, stark verändern muss und wird. Hier besteht meiner Meinung nach auch der größte Nachholbedarf, weil sich vielerorts herausstellt dass die gewohnten Interaktionsparadigmen, die dort aktuell meistens wiederverwendet werden, einfach nicht funktionieren.