„Benutzerfreundlichkeit von Beginn an mitdenken“

Prof. Dr. Susanne Boll-Westermann lehrt und forscht als Professorin für Medieninformatik und Multimedia-Systeme an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und ist Mitglied im Vorstand des Oldenburger Instituts für Informatik (OFFIS). Nach einem Diplom-Studium an der Technischen Universität Darmstadt und ihrer Promotion in Wien forscht sie gemeinsam mit den Mitgliedern ihrer Arbeitsgruppe zu Fragen der Mensch-Maschine-Interaktion.

Prof. Dr. Susanne Boll-Westermann im Interview

Auf diesem Bild ist das Jurymitglied Prof. Dr. Susanne Boll-Westermann abgelichtet.

Prof. Dr. Susanne Boll-Westermann

BMBF/Florian Willnauer

Frau Professorin Boll-Westermann, IT begegnet uns mittlerweile überall im Alltag, optimale Benutzbarkeit der Systeme wird so immer wichtiger. Welche Bedeutung haben Wettbewerbe wie der CEBIT Innovation Award, um Innovationen und alltagspraktischen Technikeinsatz hierzulande zu fördern?

Der Wettbewerb adressiert das für unsere Gesellschaft so wichtige Thema, wie Mensch und Technik im Zeitalter der Digitalisierung als Team zusammenspielen. Hierfür bietet er eine wichtige Plattform und erzielt eine hohe Sichtbarkeit. Die geförderten Projekte zeigen, wie bedeutsam das Thema Benutzerbarkeit für viele unserer Lebensfragen ist und wie wichtig es ist, den Menschen in den Mittelpunkt der Entwicklung von Technologien zu stellen. Der CEBIT Innovation Award ist ein wichtiges Signal, dass Benutzbarkeit nicht ein Anhängsel digitaler Produkte, sondern ein Kernthema ist, das von Anfang an für neue Produkte und innovative Geschäftsmodelle mitgedacht und entwickelt werden muss.

Als Hochschullehrerin sind Sie ganz dicht an den Innovationen, aber auch an den Innovatorinnen und Innovatoren von morgen dran. Welche Fragen treiben die heutige Studierendengeneration der Fachrichtung Informatik beim Thema Usability um?

Usability und Mensch-Technik-Interaktion sind stark nachgefragte Gebiete in der Informatik. Trendtechnologien sind aktuell Augmented Reality und Virtual Reality sowie Wearables und Robotik, aber auch das eigene Anfertigen von Prototypen in unserem FabLab und Elektroniklabor. In Team-Projekten entwickeln Studierende innovative interaktive Konzepte  – beispielsweise für tragbare Anwendungen für die Unterstützung gesundheitsförderlichen Verhaltens oder Augmented-Reality-Lösungen in der Produktion von morgen. In jedem Jahr zeigen wir die Ergebnisse innovativer Arbeiten aus unseren studentischen Projektgruppen auch auf nationalen und internationalen Veranstaltungen – so erfahren die Studierenden den ganzen Spannungsbogen von wissenschaftlicher Fragestellung und Innovation bis zur konkreten Entwicklung interaktiver und intelligenter Systeme.

Ihre Forschungsagenda als Wissenschaftlerin ist sowohl national als auch international orientiert. Wie steht Ihrer Meinung nach die hiesige Forschung im Bereich der Mensch-Technik-Interaktion im internationalen Vergleich da?

Das Feld hat sich in Deutschland hervorragend entwickelt. Aktuell gibt es über hundert Professuren in Deutschland, die sich im weiteren Sinne mit dessen Gestaltung beschäftigen. Viele Forschungsinstitute des Bundes und der Länder haben das Thema in den Fokus genommen, ebenso die Forschungsförderung. Der Fachbereich Mensch-Computer-Interaktion (MCI) der Gesellschaft für Informatik hat gerade erst auf seinem Jahressymposium 2018 gezeigt, wie wir mit Mensch-Technik-Interaktion die Arbeitswelt der Zukunft mitgestalten werden: Auf der Tagung „Mensch und Computer“ treffen sich Forschung und Praxis – sie ist mittlerweile weltweit die größte aller nationalen Fachtagungen im MCI-Bereich. Die Forschung ist international wettbewerbsfähig und sehr sichtbar, es gibt viele Ausgründungen auf Basis innovativer Ideen und Geschäftsmodelle, junge Talente kommen nach Europa und Deutschland. Der CEBIT Innovation Award setzt dabei einen wichtigen Akzent für Usability Made in Germany.

Welchen Stellenwert hat der CEBIT Innovation Award für Ihren Forschungsbereich?

Es ist immer wieder spannend, welche neuen Projekte eingereicht werden. Die vielfältigen Einreichungen zeigen das Potenzial und den Ideenreichtum, aber auch die hohe Umsetzungskompetenz der Bewerberinnen und Bewerber. Zudem gibt der hochdotierte Preis ein wichtiges Signal für die Bedeutung des Alltagsnutzens von Technologie – ein wichtiger Impuls im Zeitalter der Digitalisierung!

Wo steht der Preis Ihrer Ansicht nach derzeit und welche Impulse wollen Sie in Zukunft setzen

In seinem sechsten Jahr kann der CEBIT Innovation Award auf hervorragende Projekte sowie Preisträgerinnen und Preisträger zurückschauen. Nicht wenige haben ihre Idee und die Ausgründung erfolgreich weiterentwickelt und ihre Innovation am Markt etabliert. Mein herzlicher Glückwunsch dazu nicht nur an die bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger, sondern auch an das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das diesen Preis ins Leben gerufen hat!