Die Jury

16. März 2015, Montag

Prof. Dr. Susanne Boll-Westermann

Interview mit Prof. Dr. Susanne Boll-Westermann

Prof. Dr. Susanne Boll-Westermann lehrt und forscht als Professorin für Medieninformatik und Multimedia-Systeme an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und ist Mitglied im Vorstand des Oldenburger Instituts für Informatik (OFFIS).

Nach einem Diplom-Studium an der Technischen Universität Darmstadt und ihrer Promotion in Wien forscht sie gemeinsam mit den Mitgliedern ihrer Arbeitsgruppe aktuell unter anderem zu Fragen der Mensch-Maschine-Interaktion. Im Frühjahr 2015 ist sie als neues Mitglied in die Jury des CeBIT Innovation Award berufen worden. Im Interview mit dem Preisbüro des CeBIT Innovation Award nimmt sie zu aktuellen Fragen ihres Forschungsgebiets Stellung.

Wir umgeben uns immer stärker mit Informationstechnik - nicht allein mit Smartphones, sondern im Auto, in Gebäuden und bei anderen Alltagsgelegenheiten. Optimale Benutzbarkeit der IT-Systeme wird so immer wichtiger. Welche Bedeutung haben Wettbewerbe wie der CeBIT Innovation Award, um Innovationen und alltagspraktischen Technikeinsatz hierzulande zu fördern?

Boll: Solche Wettbewerbe geben dem für unsere Gesellschaft so wichtigen Thema Mensch-Technik Interaktion eine wunderbare Plattform und weitreichende Sichtbarkeit. Die geförderten Projekte zeigen, wie bedeutsam das Thema Benutzbarkeit für viele unserer Lebensfragen ist und wie wichtig es ist, den Menschen in den Mittelpunkt der Entwicklung von Technologien zu stellen. Der Wettbewerb stellt ein wichtiges Signal dar, dass Benutzbarkeit nicht ein Anhängsel digitaler Produkte ist, sondern Kernthema, das von Anfang an mitgedacht und entwickelt werden muss.

Als Hochschullehrerin sind Sie unmittelbar an den Innovationen, aber auch an den Innovatorinnen und Innovatoren von morgen dran. Welche Fragen treiben die heutige Studierendengeneration der Fachrichtung Informatik beim Thema Usability um?

Boll: Die Nachfrage nach Lehrveranstaltungen im Bereich interaktive Systeme, Usability und Mensch-Technik Interaktion ist deutlich zunehmend. Die Verbindung der theoretischen Grundlagen mit der praktischen Entwicklung von interaktiven Systemen kommt sehr gut an. Insbesondere bei Praktika mit neuen mobilen und tragbareren Technologien zeigt sich den Studierenden sehr gut, wie herausfordernd die Entwicklung benutzbarer Systems ist. Sie lernen ihre Kompetenzen in der Entwicklung von technischen Systemen mit den Methoden der gebrauchstauglichen Entwicklung von Systemen zu verbinden und anzuwenden.

In jedem Jahr gelingt es uns, gemeinsam mit den Studierenden innovative Arbeiten aus unseren Praktika auch als Demonstratoren und wissenschaftliche. Artikel in Fachtagungen zu zeigen – so erleben die Studierenden den Spannungsbogen von wissenschaftlicher Fragestellung und Innovation zur konkreten Entwicklung interaktiver und intelligenter Systeme. Thematisch sind die Studierenden nicht festgelegt, aber sie sind oft besonders begeistert, wenn das interaktive System auch eine Anwendung, einen persönlichen Bezug haben kann – die GlucoWatch etwa, die Personen mit Diabetes unterstützt, oder der PaceMaker, der das Lauftraining für Anfänger begleitet.

Ihre Forschungsagenda als Wissenschaftlerin ist sowohl national als auch international orientiert. Wie steht Ihrer Meinung nach die hiesige Szene der Usability-Forschung im internationalen Vergleich da? Wo haben deutsche Institute, An-Institute und Ausgründungen ihre Stärken, wo können wir noch besser werden?

Boll: Das Feld Mensch-Technik Interaktion hat sich in Deutschland enorm entwickelt. Aktuell gibt es über 100 Professuren in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die sich im weiteren Sinne mit der Gebrauchstauglichkeit beschäftigen. Viele Forschungsinstitute des Bundes und der Länder haben das Thema Mensch-Technik Interaktion in den Fokus genommen und die Forschungsförderung ebenso. Die Gesellschaft für Informatik hat eine große Fachgruppe, die in diesem Gebiet zusammenarbeitet.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG hat ab 2016 eine Fachgruppe, die das Thema interaktive und intelligente Systeme adressiert. In Deutschland hat sich mit der Fachtagung Mensch & Computer eine sichtbare Plattform entwickelt, auf der Praxis und Wissenschaft sich treffen. Die Mensch & Computer ist mittlerweile die größte aller nationalen Fachtagungen im HCI-Bereich (Human Computer Interaction, Anm. d. Red.) geworden. Es ist eine wirklich gute Zeit für dieses wichtige Thema!

Sie sind in diesem Jahr als neues Jurymitglied des CeBIT Innovation Award berufen worden. Wo steht der Preis Ihrer Ansicht nach derzeit und welche Impulse wollen Sie in Zukunft setzen?

Boll: Der Preis hat in den vergangenen Jahren zunehmend Aufmerksamkeit erweckt. Er zeigt mit den ausgewählten Preisträgerinnen und Preisträgern die Vielfalt der Technologien und Anwendungen auf, bei denen die Gebrauchstauglichkeit von großer Bedeutung ist. Ich wünsche mir, dass wir Einreichungen zu den Themen der persönlichen Gesundheit, der zukünftigen Mobilität, eines nachhaltigen Handelns und der Teilhabe an Gesellschaft erhalten. Ich freue mich auf vielfältige Einreichungen und hoffe, dass wir darin auch Antworten auf diese großen Fragen unserer digitalen Gesellschaft erkennen können.

Frau Prof. Boll-Westermann, wir danken Ihnen für die Beantwortung der Fragen und wünschen Ihnen und Ihren Jurykolleginnen und -kollegen gute Beratungen bei der Bewertung und Prämierung der kommenden Wettbewerbsbeiträge!

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